Ungewollter Start in den letzten Tag

Tag 20: km 624 bis km 650: 26 km

Gestern Abend hat Grasshopper gewitzelt dass er mich um 3 Uhr wecken werde um loszuwandern, falls er wegen dem Wind nicht schlafen kann. Ich war so erledigt vom gestrigen Wandertag, dass ich trotz des Windes, welcher am Anfang der Nacht noch relativ stark war jedoch im Verlauf immer schwächer wurde, sofort tief und fest schlief. Wir hatten uns auch ein möglichst windgeschützten Platz ausgesucht. Gleich hinter uns hatte es die Überreste eines alten Beduinenzelt. So gut und tief habe ich auf diesem Trail noch nie geschlafen. Und dann um 2:40 Uhr wurde ich aus meinem Tiefschlaf gerissen :(. Zuerst dachte ich es sei der Wind, doch es hörte sich ein wenig komisch an, dann sah ich dass es hell war (ich schlief mit offenen Zelttüren), und dann hörte ich eine Autotür zufallen und Schritte. Und dann endlich drehte ich mich um und war wach genug und sah dass Auto (der Motor lief immer noch) keine zwei Meter, direkt vor meinem Zelteingang geparkt. Echt jetzt? Wer kommt mitten in der Nacht hier rauf? Grasshopper war zum Glück schon wach als das Auto kam und daher ansprechbar. Der Beduine sagte es sei kein Problem, wir können ruhig hier schlafen und fragte ob wir Wasser bräuchten. Ganz nett von ihm. Wir waren einfach froh, dass wir noch ein wenig schlafen konnten. Der Beduine stellte den Motor seines Autos ab, löschte alle Lichter (die haben am ganzen Auto Lichter installiert und haben Scheinwerfer montiert die sie in verschiedene Richtungen drehen können), und machte sich mit einer Taschenlampe bewaffnet auf in die Dunkelheit um etwas zu Suchen. Als er nach einigen Minuten zurück kam, ging er zum Auto und wir dachten er gehe und wir können in Ruhe schlafen. Weit gehfehlt… Er schaltete nur wieder die Lichter an, nahm seinen Teekessel und entfachte mit dem gesammelten Holz ein Feuer hinter meinem Zelt. Seelenruhig kochte er seinen Tee, pfiff eine Melodie von Zeit zu Zeit und hörte laut Musik auf seinem Smartphone. Was soll das? Da sind Leute die versuchen hier zu schlafen! Wie es sich gehörte, kam er mit einer Tasse Tee zu uns rüber und fragte uns ob wir Tee wollen. Ich weiss nicht was sich dieser dabei überlegte… uns wurde klar, dass wir hier nicht mehr schlafen können und so fragte mich Grasshopper kurz nach 3 Uhr ob wir gehen sollten. So packten wir unsere Sachen und der „hilfsbereite“ Beduine schaltete extra den Scheinwerfer ein, so dass wir mehr Licht zum packen hatten. Er hingegen sass seelenruhig bei seinem Feuer und spielte mit seinem Smartphone. Wir haben leider nicht herausgefunden weshalb er mitten in der Nacht hier hochkam um Tee zu kochen…

So hatten wir einen frühen Start in den letzten Wandertag, auch nicht schlecht, kommen wir früher am Golf von Aqaba an 🙂 Die Navigation war echt schwierig, da meine Karten für die letzten 50 Kilometer gar nicht geladen waren und Grasshopper einen grösseren Massstab als sonst hatte… und dann war es erst noch dunkel. Doch nach mehrmaligem Verlaufen haben wir es dann auf den richtigen Pass geschafft und es wurde langsam hell. Vom Pass ging es runter in ein Wadi und auf der anderen Seite wieder hoch, auf den letzten hohen Pass. Von dort hatten wir zum ersten Mal Sicht auf das rote Meer, unser Ziel, welches in der Ferne lag.

Danach ging es mehrheitlich runter. Nur ein etwas kleinerer Pass mussten wir noch überqueren. Doch der letzte Tag machte es uns nicht leicht. Der Trail war oft nicht existent oder so schwach, dass wir ihn immer wieder verloren. So ging es oft einfach querfeldein, mit 1-2 heiklen Kletterstellen. Auf dem Paas sahen wir einen schönen Trail und dachten von hier sei es gemütliches Wandern. Doch auch dieser Trail verschwand schon nach einigen Minuten und wir suchten wieder unseren eigenen Weg.

Dann endlich kamen wir unten bei den Gebäuden an und dachten: so jetzt ist es aber einfach. Aber nein, es ging wiederum querfeldein von einem Wadi ins nächste bis wir schliesslich das Wadi erreichten welches uns ans Meer brachte 🙂 Geschafft!

Der Trail war anspruchsvoller als gedacht, vor allem die Navigation und das oftmals nicht vorhandenseins eines „Trails“ kostete uns viel Zeit. Der Norden war eher langweilig, viel Roadwalking, viele Dörfchen, nur ab und zu ein sehenswertes Highlight, wohingegen der Süden landschaftlich ein absoluter Traum war!

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Frieren in der Wüste

Tag 19: km 587 bis km 624: 37 km

Obwohl wir drinnen in einem Haus übernachteten, war die Nacht nicht wirklich erholsam. Ständig wachte ich auf und dementsprechend gerädert war ich am Morgen. Es gab jedoch noch ein super Frühstück bevor wir uns dann auf den Weg machten. Grasshopper fühlte sich ein wenig besser, aber immer noch nicht ganz fit.

Unser erstes Ziel war die Qatar Spring, wo wir Wasser für die nächsten 24 km filterten. Das Wetter war zu unserem erstaunen nicht gerade so wie man sich die Wüste vortstellte. Es war bewölkt und windete stark. Die Sicht war ziemlich beschränkt, wir wissen nicht ob wir uns in einer Wolke befanden, oder ob der aufgewirbelte Sand alles trübte. Zudem war es echt kalt, sodass wir noch eine zweite Schicht anziehen mussten.

Im Verlauf des Morgens schaffte es jedoch die Sonne durch zu dringen und uns ein wenig zu wärmen. Der Wind liess jedoch nicht nach und war dummerweise genau gegen uns gerichtet, was zusätzlich Kraft kostete. Bevor wir das Wadi Rum definitiv verliessen, wurde es nochmals so richtig sandig! Es ging für etwa 5 Kilometer durch feinsten Sand bergauf, echt anstregend!

Als wir es endlich geschafft hatten und den Sand hinter uns liessen machten wir Mittagspause. Danach liessen wir Wadi Rum und seine Sandsteinfelsen defintiv hinter uns und die Felsen waren wieder aus Granit. Das nächste Ziel war das Beduinendörfchen Titen, unsere letzte Wasserversorgung vor dem Ziel. Schon von Weitem konnten wir das Dorf unten im Tal liegen sehen, doch es wollte einfach nicht näher kommen. Mittlerweile war ich echt müde und erledigt und der Gegenwind machte mit zu schaffen. Doch irgendwann haben wir endlich das Dorf erreicht und ein Beduine gab uns Wasser.

Nach einer kurzen Pause liefen wir noch einige Kilometer und richteten dann zum letzten Mal unsere Nachtlager ein. Kaum zu glauben dass wir morgen schon fertig sind mit dem Trail…

Wadi Rum

Tag 18: km 549 bis km 587: 38 km (eher 34 km, km Angaben sind nicht ganz stimmig)

Wie erwartet habe ich die Nacht kaum geschlafen. Es war zu heiss in meinem Schlafsack doch gleichzeitig windete es, sodass ich die Wahl hatte zwischen offenem Schlafsack und kalt haben, oder geschlossen und heiss… Grasshopper ging es ähnlich. Er ist heute leider immer noch nicht wirklich viel fitter und hat Kopfschmerzen. Trotzdem fühlte er sich fit genug zum Wandern. Und so ging es auf Richtung Wadi Rum. Die Landschaft ist so anders als in den Tagen zuvor. Wir wandern durch offene Wüste, die einzige Abwechslung sind Sandsteinfelsen.

Die Streckenführung ist deshalb auch ziemlich simple: einfach eine gerade Linie über die Karte gezogen 🙂 so visieren wir ein Landschaftspunkt in der Ferne an und laufen direkt darauf zu. Der sandige Untergrund war zum Glück relativ hart, sodass wir einigermassen gut vorwärtskamen. Trotzdem sind die Schuhe nach jeweils 5 Minuten mit Sand gefüllt. Nicht gut wenn man sowieso schon zu kleine Schuhe hat. Meine Zehen spüren dass und mittlerweile leidet noch ein weiterer Zehennagel…

Trotz allem macht das Wandern Spass und umgeben von der Wüste kann ich mir nur schlecht vorstellen in zwei weiteren Tagen am Strand zu sein.

Schon bald begneten uns Touristengruppen auf ihren Quads oder in Jeeps, die eine Tour durchs Wadi Rum machten. Nachdem wir in einem kleinen Dörfchen (Shakriya) Wasser eingekauft hatten, gings weiter Richtung Besucherzentrum des Wadi Rums. Auf dem Weg windete es heftig und hüllte uns in Sandwolken. Zeitweise konnte ich Grasshopper der hinter mir lief nicht mehr sehen. Im Besucherzentrum angekommen war Grasshopper ziemlich erledigt. Er sah auch nicht wirklich gut aus und hustete mittlerweile auch. Wir entschieden uns noch bis Rum Village zu gehen und dort die Nacht zu verbringen. Wir sollten es dennoch in zwei Tagen nach Aqaba schaffen. Am Dorfrand hielt uns ein Auto an und überredete uns die Nacht bei ihnen zu bleiben. Wir willigten ein und so fuhren wir mit dem Auto dorthin (ca. 500 Meter Roadwalking die wir verpassten). Als wir ankamen gab es natürlich zuerst einmal Tee.

Draussen windet es weiter stark und wir sind froh bei diesem Wind nicht draussen zu campen. Nun warten wir geduldig aufs Abendessen und hoffen dass wir eine erholsame Nacht haben und dass Grasshopper morgen wieder fit ist!

Durch Canyons

Tag 17: km 512 bis km 549: 37 km

Als wir losliefen erzählte mir Grasshopper dass es ihm schlecht sei, er Kopfschmerzen hat und in der Nacht sowohl fror als auch schwitzte… naja, das sind ja tolle Neuigkeiten… er fühlte sich schlapp, doch wollte er heute zumindest aus dem Wadi raus und Wasser brauchten wir ja sowieso. Er schickte mich als Tempomacher voraus, damit er wenigstens ein Antrieb hat um nicht zu schleichen. Zum Glück war der Weg veglichen zu gestern einfach zu gehen. Wir folgten dem Wadi Aheimar für etwa 21 km. Bei Kilometer 11 im Wadi kamen wir endlich zur Quelle. Doch es war eine Enttäuschung, da wir wirklich nur im äussersten Notfall davon trinken würden…

Grasshopper hatte nur noch 0.5 l Wasser und ich hatte noch etwas mehr als ein Liter. Da das nächste Wasser „schon“ in weiteren 11 km kam, entschlossen wir uns nach einer Pause weiterzugehen. Schon bald machten wir wieder eine kurze Pause und ich gab Grasshopper von meinem Wasser und lieh ihm meine Stöcke. Bald darauf ging es ihm zum Glück ein wenig besser.

Der Weg im Wadi war wunderschön. Die verschiedenfarbenen Sandsteine von schneeweiss bis tiefrot, mal enge Schluchten, mal wieder offen, dann auf einmal stellenweise wieder Pflanzen. Und dann kam noch der schönste und engste Durchgang durch rote Sandsteinfelsen.

Und schon bald darauf verliessen wir das Wadi. Es ging kurz aber steil hinauf auf ein Plateau. Und von dort war es nicht mehr weit bis Abbasyia (eine kleine Siedlung), wo wir in einer Schule direkt neben der Moschee Wasser bekamen. Nachdem wir uns mit den Lehrer unterhalten hatten, ging es weiter. Da Grasshopper immer noch nicht wirklich fit und schlapp war, entschlossen wir eine kleine Abkürzung zu nehmen und statt die Ruinen in Humeima anzuschauen, den direkten Weg nach New Humeima zu nehmen. Direkt im wahrsten Sinn des Wortes. Über 10 km gingen wir schnurgerade (so gut es ging) querfeldein durch die Ebene zur Stadt. Schon faszinierend wie leer und karg es auf einmal ist.

In Humeima kauften wir Wasser für die nächste Etappe und liefen danach noch etwa 5 km. Relativ früh machten wir Feierabend und da wir uns auf Felsen befinden, kann ich mein Zelt nicht aufstellen und muss deshalb gezwungenermassen Cowboy campen.

Jeder neue Tag ist der schönste auf dem Trail

Tag 16: km 475 bis km 512: 37 km

Der Morgen begann damit das wir dem Verlauf des Wadi weiter folgten. Wir waren erstaunt darüber dass es relativ „viel“ Wasser hatte. Nach einigen Kilometer verliessen wir das Wadi, bzw. das Wadi war zu Ende. Die Morgensonne liess die verschiedenen Farben der Sandsteinfelsen in Erscheinung treten. Wir stoppten gefühlt alle 10 Meter um ein Foto zu machen, und dies den ganzen Tag. Da wir immer das gleiche Wort benutzten um die Schönheit die wir sahen zu beschreiben, fingen wir an englischen Wörter zusammen zu tragen, damit wir nicht immer das selbe benutzen. Und seit denn letzten Tagen sagen wir jeden Tag dies sei der beste Tag auf dem Trail bis jetzt und jeden neuen Tag sagen wir dasselbe. So auch heute. Die Landschaft war überwätligend.

Nachdem wir schon 2.5 Stunden gewandert sind, erreichten wir ein riesen Camp! Es war das Camp des geführten Thru-Hikes, welche vor einigen Tagen in Aqaba gestartet sind. Die Truppe war gerade am Aufbrechen. Sie (etwa 50 Wanderer und ihre Guides) zogen los und der Verantwortliche für den Jordan Trail wollte mit uns sprechen. Natürlich wurden wir mit Früchten, Fruchtsaft, Keksen und Wasser versorgt. Der Verantwortliche war ganz gesprächig und Grasshopper gab ihm einige Tips wie man die Homepage des Trails für „Solowanderer“ (so wie wir) verbessern könnte. Er nahm alle Tips dankbar an und machte dann noch ein Interview mit uns für Promotionszweck. Nach fast einer Stunde Pause (welche auch für uns informativ war, da auch wir einiges über die Geschichte des Trails erfuhren) zogen wir weiter. Schon bald wurde der Trail sandig und das wandern somit anstrengender. Dies, die Hitze (mittlerweile wird es recht warm) und die unzähligen Fotostopps liessen uns nur langsam vorankommen.

Am späten Nachmittag kamen wir wieder aus einem Wadi heraus und diesmal warteten Sanddünen auf uns. Diese galt es zu überquere n um ins nächste Wadi zu gelangen. Obwohl wir müde waren, die Schuhe voll Sand und das Laufen auf den Dünen anstrengend war, genossen wir es und es machte richtig Spass durch diese wunderbare Schöpfung zu wandern. Obwohl wir nur langsam vorwärtskamen und es schon relativ spät war, entschieden wir zum Tagesziel zu wandern, auch wenn dies im dunkeln wandern bedeutete. Doch wir schafften es gerade noch beim letzten Tageslicht anzukommen 🙂

Beim Tagesziel war schon ein älteres Paar aus England, dass ein Teilstück des Trail wandert. Nachdem wir zu Abend gegessen und uns eigentlich Bett fertig machen wollten, kamen sie zu uns rüber um zu schwatzen. Es war ganz nett, nur wurde es ein wenig spät…

Je weiter südlich desto schöner

Tag 15: km 449 bis km 475: 26 km

Die nächste vor uns liegende Ettape (ca. 90 km) führt ins berühmte Wadi Rum (neben Petra der meistbesuchte Ort).

Nach dem Frühstück im Hotel ging es mit dem Shuttle Bus wieder runter nach Petra. Beim Eingang wurden die Rucksäcke gescannt, doch meiner war so gross, dass er nicht durch die Maschine passte 🙂 Ich durfte deshalb mit meinem Rucksack einfach so durch. Grasshopper hingegen musste seinen Rucksack öffnen und dem Beamten genau erklären was wir machen. Als der endlich begriff dass wir nicht in Petra campen sondern irgendwo draussen in der Wildnis, wurde er ganz besorgt und fragte ob wir wissen welche Notfallnummer wir wählen müssten und falls wir Hilfe bräuchten und 911 wählten, sie uns schnell finden und helfen würden. Grasshopper bestätigte dass wir das alles wissen und dass wir sogar mit Satellitennotfallsystemen (SPOT und inReach) ausgerüstet sind. Danach liess er auch Grasshopper durch. Nun ging es wieder über 2 km zurück durch den Eingangscanyon zur berühmten Schatzkammer. Wir wollten eigentlich noch auf einen Aussichtspunkt rauf, doch dort durfte man nur mit einem Guide rauf und musste nochmals extra bezahlen. Das war es uns nicht wert und so gingen wir noch zum „High Place of Sacrifice“.

Von dort gingen wir runter Richtung Wadi Farasa, vorbei an der Lion Fountain und dem Garden Tomb.

Und dann endlich konnten wir den Rummel rund um Petra (was an und für sich wirklich sehenswert ist) hinter uns lassen und liefen Richtung Wadi Sabra. Zuerst gabs einen kleinen Aufstieg und dann folgte der Abstieg ins Wadi entlang einer antiken römischen Strasse.

Unten angekommen, folgten wir dem Wadi für einige Kilometer. Die Sandsteine rundherum waren farbig und sehr abwechslungsreich. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Für eine kurze Strecke mussten wir das Flussbett verlassen und höher oben dem Wadi entlang gehen, da ein 30 Meter trockener Wasserfall den direkten Weg durchs Wadi verhinderte. Doch die Sicht von oben war einfach nur genial und viel zu schnell gings wieder runter ins Wadi. Bei einer Quelle machten wir Mittagspause.

Nach der Pause folgten wir dem Flussbett noch eine Weile und verliessen es dann um über einen Hügel in ein anderes Wadi (Wadi Abu O’rouq) zu gelangen. Da das laufen im Sand anstrengend ist, wählten wir die einfachere Variante und folgten der Strasse runter statt querfeldein. Das Wadi ist wiederum ein wunderschöner Canyon mit Sandsteinen in verschiedenen Farben.

Als wir ungefähr 3 km durchs Wadi gewandert waren, hatten wir unser Tagesziel, die Quelle, erreicht. Ein Platz zum campen haben wir zum Glück schnell gefunden und so konnten wir unser Abendessen sogar noch mit Tageslicht geniessen 🙂

Durch die Hintertür zum Weltwunder

Tag 14: km 423 bis km 449: 26 km

Da ich nicht weiss was ich schreiben soll, schlug mir Grasshopper vor mit einer Beschwerde anzufangen 🙂 ok, hier ist sie: als ich mitten in der Nacht aufwachte, schmerzten meine Füsse immer noch (doch zum Glück waren die Schmerzen bis zum Aufstehen verschwunden). Da man auf dem Trail viel Zeit hat, wird jedes Wehwechen geteilt. Die Themen sind entweder irgendwelche Beschwerden (meine Füsse schmerzen, ich bin so hungrig, es ist so heiss, es ist so kalt, es ist so steil, ich bin so müde…) oder dann dreht sich alles ums Essen. Zwischendurch gibt es jedoch auch genügend Zeit um in alten CDT Erinnerungen zu schwelgen oder auch ernsthafte Gespräche zu führen.

Zu Beginn des Tages folgten wir Dirtroads mit kurzen crosscountry Wegen dazwischen. Unser erstes Ziel war Little Petra. Die letzten 2-3 km verliessen wir die Strasse und gingen durch einen Canyon. Die unterschiedlichen Formen und Farben der Sandsteine sowie die Vegetation gaben einem das Gefühl weit entfernt von Zivilisation zu sein.

Der Canyon wurde immer enger und bald hörten wir ein Stimmengewirr. Jetzt wussten wir dass Little Petra sich ganz in der Nähe befinden muss. Doch die letzten paar Meter hatten es echt in sich. Zuerst mussten wir einen ca. 3 Meter Fall hinunterklettern und kaum war dieses Hindernis überwunden, wartete das nächste auf uns. Ein weiterer ca. 1.5 Meter Fall. Dieser war jedoch so eng, dass wir mit unseren Rucksäcken nicht durchkamen. Also kletterte zuerst Grasshopper hinunter, ich reichte ihm unsere Rucksäcke und schliesslich kletterte auch ich runter. Dann ging es durch ein Gebüsch und schon standen wir inmitten der Touristen in Little Petra. Ich weiss nicht ob wir oder die Touristen überraschter waren als wir einfach so aus einem Gebüsch auftauchten 😉

Dieser „Einstieg“ nach Petra war echt ein Erlebnis und man fühlte sich ein wenig wie Indiana Jones 😉

Nachdem wir uns in Little Petra ein wenig umgesehen hatten, gingen wir weiter zum Monastry, das zwar kleiner als die berühmte Schatzkammer ist, jedoch genauso sehenswert ist und weniger Touristen hat, da es abgelegener ist.

Nach einer Pause gings dann weiter Richtung Schatzkammer. Unterwegs kamen wir noch an etlichen Sehenswürdigkeiten vorbei.

Da wir schon mal hier sind, entschieden wir uns auf einen Aussichtspunkt heraufzusteigen von wo aus man die Schatzkammer, das Theater und andere Gebäude von oben sehen konnte. Oben fanden wir ein wenig abseits ein Plätzchen im Schatten wo wir eine Pause einlegten.

Für unseren Geschmack hatte es viel zu viele Menschen und was noch viel nerviger war, ist das an jeder Ecke ein Verkaufsstand für Souvenirs ist. Entlang der Hauptwege sind ein Marktstand an den anderen gereiht. Der ganze Rummel rumherum und ständig versucht ein Souvenir angedreht zu bekommen, stresst mich und lenkt von den eigentlichen Sehenswürdigkeiten ab da man nirgends seine Ruhe hat.

Nach der Pause machten wir uns auf ins grosse Getümmel Richtung Schatzkammer.

Und von dort lief man noch etwa 30 Minuten zum Hauptausgang. Wer also Petra besucht sollte gut zu Fuss sein und viel Zeit mitbringen (nur schon zwischen dem Kloster und der Schatzkammer sind es etwa 6 km). Man muss mehrere Tage in dieser Stadt verbringen wenn man wirklich alles sehen will.

Da unser Hotel relativ weit entfernt von Petra liegt, nahmen wir ein Taxi, denn wir waren zu k.o. noch einige Kilometer in der prallen Sonne bergauf zu laufen. Das Hotel ist einfach, doch hat alles was wir brauchen. Nach der Dusche ging es ins Stadtzentrum um Resupply für die nächsten Tage zu kaufen. Obwohl wir es eigentlich wissen, waren wir so dumm und gingen hungrig einkaufen. Resultat: wir kauften viel zu viel Essen ein🙈 naja, wenigsten müssen wir nicht hungern 😉

Zu Abend assen wir im Hotel. Ein riesen Buffet mit vielen frischen Sachen und Grilliertem. Richtiges Essen schmeckt einfach so viel besser als kalte Ramen 🙂

Traumhaft schön und anstrengend

Tag 13: km 391 bis km 423: 32 km

Pünktlich um 5:30 Uhr machten wir uns auf den Weg. Zuerst führte er auf der Dirt Road noch einige Kilometer hinunter, bis wir dann einen laaangen Aufstieg vor uns hatten. Am Anfang war es noch relativ flach, mit der Zeit wurde es immer steiler. Der Trail war grösstenteils inexistent, das heisst wir mussten einfach querfeldein über Steine, was für die Füsse echt anstrengend war. Mit der Sonne wurde es auch immer heisser, aber je höher wir kamen, desto stärker blies ein Wind welcher Abkühlung verschaffte. Für den letzten und steilsten Teil des Aufstiegs gab es zum Glück wieder einen Trail.

Oben angekommen, ging es runter ins Wadi Feid. Dieses wird von einer Quelle gespeist, sodass wir ein richtiges Bächlein hatten wo wir die Mittagspause verbrachten.

Weiter ging es das Wadi hinauf entlang des Baches. Auch hier hiess es wieder einfach den Besten Weg suchen. Danach ging es noch in einem anderen Wadi weiter hinauf. Die Sicht wurde immer besser und wie schon am Morgen blieben wir alle paar Meter stehen um ein Foto zu machen…

Obwohl dieses Teilstück das meistbewanderte des Jordan Trails ist, ist es doch anstrengend, oftmals ohne Trail und wenn man nicht immer Acht gibt, ist man schnell off-Trail.

Wir kamen heute nur langsam voran und die Füsse schmerzten am Abend sodass wir kaum noch stehen konnten. Doch es war der schönste Tag bis jetzt! Oft beklagten wir uns gegenseitig über unsere schmerzenden Füsse und sagten im selben Satz: aber es ist so schön hier!

Wenn Träume wahr werden…

Tag 12: km 355 bis km 391: 36 km

Nach einer eiskalten Nacht, das Zelt war von aussen und von innen (Kondenswasser) gefroren, machten wir uns um 5:30 Uhr auf den Weg. Bald waren wir in einer Nebelsuppe. Der Weg führte hinauf und die Sonne ging auf. Bald lag das Nebelmeer unter uns.

Doch schon bald mussten wir wieder runter und waren für eine kurze Zeit im Nebel, welcher sich jedoch bald auflöste. Der Weg führte für mehrere Kilometer runter ins Wadi Ma’tan. Zuerst war der Weg recht gemütlich auf Strassen, doch schon bald mussten wir querfeldein herunter. Das war mühsam und die Navigation kostete viel Zeit. Doch das hatte sich in diesem Fall gelohnt. Das Wadi unten war ein wunderschöner Canyon. Eigentlich wollten wir nur eine kurze Pause unten machen, doch weil es so schön war und wir den Canyon noch ein wenig erkundeten, wurde es ein längerer Stop.

Und dann folgte natürlich wieder einmal der Aufstieg auf der anderen Seite. Er war zwar nicht besonders steil, doch gefühlt ewigs lang.

Oben angekommen machten wir Mittagspause und trockneten unsere nassen Sachen (Zelt, Schlafsack, etc.).

Und dann ging es Richtung Dana. Die Strecke zwischen Dana und Petra ist die berühmteste und wohl meistgewanderte Teilstück des Jordan Trails. Es wurde sogar von National Geographics in die 15 besten Wanderungen der Welt aufgenommen. Diese Ausgangslage verleitete Grasshopper zum träumen. Seine Vorstellung: wir begegnen einer geführten Wandergruppe und campen am selben Ort. Die Leute haben dann Mitleid mit uns und sowieso zuviel Essen und geben uns deshalb richtig gutes Essen. Naja, er war schon immer ein Träumer…

Dann kamen wir endlich zum Dana Wadi, welches auch das einzige Naturreservat ist. Von jetzt an geht es für ca. 20 km abwärts durch das Wadi. Es war wunderschön und da es so touristisch ist, hat es sogar ein richtiger Wanderweg, sodass es sich wie eine Autobahn anfühlte.

Gegen Ende des Wadis hatte es noch einige Beduinencamps und Hirten mit ihren Herden unterwegs. Eine Herde folgte uns für ein kurzes Stück.

Am Ende des Wadis breitete es sich in der Ebene aus. Wir hatten einen wunderschönen Sonnenuntergang und beschlossen kurz darauf einen Zeltplatz zu suchen.

Wir sahen eine Gruppe Bäume und dachten das wäre eine gute Stelle. Und siehe da, eine geführte Gruppe hat dort ihr Camp aufgerichtet. Wir fragten den Leiter ob es ok ist wenn wir auch hier campten. Dieser sagte für ihn sei es kein Problem, wir müssen jedoch die Gäste (3 amerikanische Mädels) fragen. Auch für sie war es in Ordnung und so blieben wir dort. Grasshopper machte mir einen Deal, dass ich seine Ramen bekäme wenn ich seinen Rucksack nähte (ich kann mit meinem Topf nicht richtig cold soaken und seine Nähkunst lässt zu wünschen übrig). Ich willigte ein und so ass ich seine Ramen. Danach wollte ich seinen Rucksack flicken und zerbrach dabei die Nadel🙈 Uups… das war so nicht geplant, hoffentlich hält der Träger noch durch bis Petra.

Und dann geschah das Unglaubliche! Der Guide von der Gruppe kam tatsächlich zu uns rüber und brachte uns zu essen! Reis und Fleisch, eine riesen Portion😀 und dann kam er nochmals mit Joghurt😀 und dann kam er nochmals mit einer riesen Portion Reis und Fleisch😀

Wir waren nicht in der Lage alles aufzuessen. Schliesslich brachten wir das Geschirr und den Rest zurück und bedankten uns nochmals. Und dann machten wir es uns bei ihnen auf den Sitzkissen gemütlich, bekamen noch Kekse und Cola und schwatzten eine Weile miteinander bis es für uns Zeit wurde ins Bett zu gehen.

So schön begonnen, langweilig geendet

Tag 11: km 312 bis km 355: 43 km

Nach einer erholsamer Nacht, verliessen wir unsere super Höhle um 5:30 Uhr. Draussen war es neblig und kalt. Doch da schon nach kurzer Zeit ein kurzer Aufstieg auf uns wartete, war uns schnell warm und mit dem Aufgang der Sonne verzog sich auch der Regen und wir hatten super Wetter. Nach ein wenig Roadwalking verliessen wir die Strasse und gingen querfeldein runter zu einem Canyon. Kurze Zeit später trafen wir auf eine Dirtroad die dann nach unten führte.

Kurz bevor wir den Grund des Canyons erreicht hatten, kamen wir an einem kleinen Bächlein vorbei wo wir Pause machten und Wasser filterten. Unten im Tal hatte es einige Plantagen und wir trafen einen Hirten der ein wenig Englisch sprach, was die Kommunikation extrem vereinfacht 😉

Und wie es halt so ist, führte der Trail nachdem wir das Wadi durchquert hatten (ich nahm noch ein nicht freiwilliges Fussbad im Fluss) auf der anderen Seite wieder hoch. Der Aufstieg war zu Beginn steil und querfeldein, doch wir kamen an echt schönen Felsen vorbei und die Sicht runter ins Wadi war genial. Bald hatten wir denn steilsten Teil hinter uns, dennoch ging es noch weitere 6 km bergrauf.

Oben angekommen machten wir im Schatten eines winzigen Baumes Mittagspause und sahen noch eine Schildkröte.

Der Weg führte kurz nach der Pause auf eine geteerte Strasse und nun war wieder kilometerlanges Roadwalking angesagt, was nicht sonderlich Spass machte… ein Farmer „zwang“ uns noch eine Tasse Tee als Stärkung zu trinken. Allgemein können die Leute hier besser Englisch und haben wahrscheinlich einfach Freude mit uns Exoten zu sprechen 🙂

Unterwegs kreuzten wir noch den Kings Highway und bei einem Minimarkt kauften wir Wasser. Anschliessend mussten wir noch Tafila, eine etwas grössere Stadt durchqueren. Immer wieder hielten Autos an um uns mitzunehmen, was wir jedoch dankend ablehnten. Und natürlich wollte irgendjemand noch ein Foto mit uns machen…

Am späten Nachmittag hatten wir es dan endlich geschafft und konnten die Strasse hinter uns lassen. Es ging wieder querfeldein. Da wir kein passender Zeltplatz fanden, liefen wir halt einfach weiter und schon wieder befanden wir uns auf einer geteerten Strasse🙈 Doch zum Glück ist die nicht wirklich befahren und kurz nach Sonnenuntergang fanden wir doch noch ein Plätzchen für die Nacht, welche zwar ganz in der Nähe einer Kreuzung ist, doch seit wir unser Camp aufgeschlagen haben, ist kein einziges Auto vorbeigefahren. Sollte also eine ruhige Nacht werden.